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Bumerangs an besonderen Orten werfen
Ob
Hochgebirgsgipfel, Datumsgrenze, Polarkreis oder Korb eines Ballons:
Kein Ort ist sicher vor ideenreichen Bumerangwerfern, ungewöhnliche
Abwurfplätze auszuwählen und dort ihre Würfe zu praktizieren
- dabei auch Weltraumkapseln nicht ausnehmend. So war denn auch
eine kurze Pressenotiz der Anlaß für diesen Beitrag.
Sie besagte, ein Astronaut habe die Absicht, beim nächsten
Flug ins All einen Bumerang in den Weltraum hinauszuwerfen. Gleichzeitig
ging ein zweiseitiger Bericht unseres Freundes Jacques Thomas über
seinen Supersonic Bumerang ein. Beginnen wir mit diesem
Bericht, den ich übersetzt und gekürzt habe.
»Am 20 April 1996 hatte ich das große Vergnügen,
an Bord einer Concorde über dem Mittelmeer in der Nähe
der Balearen in 11000m Höhe jenseits der Schallgrenze den ersten
Überschall-Bumerang zu werfen. Ich benutzte den kleinen Bumerang,
den ich 1988 für eine Promotion des Films Crocodile Dundee
verwendet hatte, allerdings nun in den Farben von Air France lackiert.
Er flog einen 2m - Kreis mit genauer Rückkehr. Air France hatte
mir einen Kabinenplan überlassen, sodaß ich mir den für
meine Zwecke günstigsten Sitz in der ersten Reihe aussuchen
konnte (Platz 14 B; diesen Platz mußt Du stets ordern, wenn
Du in der Concorde Bumerangs werfen willst. Ich erfuhr später,
auch Liz Taylor habe diesen Platz für ihren Flug ausgewählt).
Aber alles war schlimmer als erwartet. Obgleich keine Rückenlehne
den Wurfraum vor mir einschränkte, war dieser doch sehr begrenzt,
denn der schlanke Rumpf ist weniger als 3 m breit. Auch unter Ausnutzung
des knapp 1 m breiten Mittelgangs mußte ich im Sitzen und
mit dem allzu geringen Wurfkreis von 50 -60 cm werfen, wirklich
nicht allzuviel. ... Nach wenigen Minuten waren wir gestartet und
stiegen sehr steil. Ich spürte die gewaltige Schubkraft der
Maschine .... Etwa 30 min später zeigte der Geschwindigkeitsmesser
- für alle Passagiere sichtbar angebracht - Mach 0,96. Die
Hostess klappte den Tisch vor mir ein, und die gesamte Crew, die
von meinem Vorhaben wußte, erwartete, was kam. Nun näherten
wir uns der Schallgrenze, und das Flugzeug begann leicht zu vibrieren.
Mir schienen die Grenzschicht-Schwingungen mit kleiner Amplitude´
spürbar. Auch schien mir, es sei schwierig, das Flugzeug weiter
zu beschleunigen. Die Anzeige stieg auf 0,98 -0,99. Plötzlich,
aber sehr sanft, konnte ich eine weitere Beschleunigung spüren:
Der Captain hatte die Nachbrenner eingeschaltet. Das war nötig,
um die Schallgrenze zu überschreiten. Denn kurz vorher steigt
der Luftwiderstand stark an und muß durch stärkeren Schub
überwunden werden.
Nun
waren wir jenseits der Schallgrenze, bei Werten zwischen Mach 1
und Mach 1,6. Der Flug war ruhig und friedevoll geworden. Ich hatte
ausreichend Zeit, meine Bumerangs zu werfen und zu fangen, was mir
ohne Schwierigkeiten gelang. ..... Der Supersonic-Bumerang
und das entsprechende Testat des Captains werden, gemeinsam mit
einem Modell der Concorde in der Ausstellung meines neu zu eröffnenden
Museum gezeigt werden.«
Nun zur erwähnten Pressenotiz: Hartmut Steeb war so freundlich,
mich - nach Anfrage - zu informieren, so reichhaltig, daß
ein zweiter Teil meines Berichts möglich und erforderlich wurde.
Herzlichen Dank, Hartmut! - Es handelte sich also um eine ap - Meldung
vom 10. Mai 1996: Bumerang fliegt mit ins Weltall und
enthielt die Mitteilung, ein aus einer Schiffsplanke des James-Cook-Schiffes
Endeavor gefertigter Bumerang soll in der NASA-ENDEAVOR
mitgeführt werden. Hartmut erläutert drei Möglichkeiten,
zwei für das Mitführen, und eine zum In-den- Raum-Werfen.
»Mitführen I
Der Bumerang wird einfach im special flight data kit mitgeführt,
wie Fähnchen, Eheringe der Astronautenfrauen und anderes und
hinterher mit dem üblichen Pomp an irgendjemanden, z.B. an
ein Museum gegeben oder einem Präsidenten überreicht.
Dies ist der wahrscheinlichste Fall.
Mitführen II
Der Bumerang wird oben mal ausgepackt, vor eine Kamera gehalten
und darf dann in der Raumfähre etwas herumschweben - so wie
ein Astronaut, ein Kugelschreiber oder ein Brotkrümel u.ä.
- eben Schweben in der Schwerelosigkeit.
Flugversuche
innerhalb der Raumfähre verböten sich aus naheliegenden
Gründen (Flugkreis bei hohem Gewicht eines Zweiflüglers!)
von selbst.
Annahme,
in den Raum zu werfen:
Angenommen, der Bumerang wird aus der offenen Ladeluke in Freie
abgesetzt, wie etwa ein Beobachtungssatellit in niedriger Umlaufbahn.
Je nach Absetzimpuls entfernt er sich dann im Geradeausflug mehr
oder weniger schnell, rotierend oder nicht, von der Raumfähre.
Keinesfalls wird er sich wie ein Bumerang hier unten verhalten,
da die Atmosphäre fehlt und keinerlei Aerodynamik wirksam werden
kann. Er verbleibt in einer, wegen der Restreibung langsam abgebremsten
Umlaufbahn, gelangt irgendwann in dichtere Luftschichten und verbrennt.
Damit ist er dann für immer verloren, zum Vorzeigen bleibt
nichts übrig. Diese Möglichkeit halte ich für ziemlich
ausgeschlossen, da freifliegender Müll in niedrigen Umlaufbahnen
nachfolgende Missionen gefährden könnte. Das macht weder
die NASA noch sonst jemand. Von der russischen MIR-Station werden
zwar Abfälle abgesetzt, z.B. aus Küche und Toilette, aber
dies geschieht in speziellen Containern und zwar so, daß sie
zügig verglühen. Außerdem ist ein erheblicher Aufwand
nötig (der zudem mit immensen Kosten verbunden ist), um einen
Astronauten in der offenen Ladeluke herumturnen zu lassen - und
nur von dort könnte man werfen. Hier ist wohl einem Journalisten
die Feder ausgerutscht, oder Du hast zu flüchtig gelesen. Ich
wette eine Tafel Schokolade, daß III nicht geschieht. ....
Außerdem sollen, der Pressemeldung zufolge, bei der fraglichen
Mission auch Forschungssatelliten ins All gebracht werden, so daß
der Laderaum belegt ist. Das heißt, daß im Innern der
Fähre noch weniger Platz ist, als wenn das SPACELAB mitgeführt
würde und nicht mal die 2 Meter zur Verfügung stehen (ich
kenne das Trainingsmodell der Fähre von innen).«
Zum ASTRORANG, dem Balsakreuz, das wir seinerzeit nur abbilden konnten,
berichtet Hartmut: Es war gedacht für Würfe in der DISCOVERY,
bzw. dem SPACELAB und mußte so konstruiert werden, daß
es sich nicht flachlegte, um Spiral-Flugbahnen zu vermeiden. Der
ASTRORANG jedenfalls beschrieb eine geschlossenen Kreisbahn, auch
wenn diese - durch zu geringen spin beim Abwurf - oft unsanft an
der Wand endete. Der ASTRORANG-Nachfoger KOSMORANG war
mit der EUROMIR 94 und Ulf Merbold 30 Tage im All und flog wie erwartet.
Zum Abschluß seines informativen Briefes benennt Hartmut einen
weiteren ungewöhnlichen Wurfort: den Roten Platz in Moskau.
1988 war der Wedeler Sportflieger Rust dort gelandet, kurz danach
»...habe ich dort ein Hammer+Sichel-Modell geworfen: Die Russen
waren ob des Fliegers und der Entweihung ihres Platzes
noch ziemlich aufgebracht, und ich hatte angesichts der vielen KGB-Soldaten
ein recht mulmiges Gefühl. Werfer und Bumerang habens überlebt,
eine Studentin hat die Heldentat in russisch auf dem
Bumerang verewigt.«
wb
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