Jede Menge Ballast
- Teil 2 -
Gewichtung mit Schwerpunktverlagerung
Kommen
wir jetzt zu der zweiten Kategorie, der Gewichtserhöhung mit
Schwerpunktverlagerung. Bevor wir die verschiedenen Möglichkeiten
mit ihren Auswirkungen auf den Bumerangflug besprechen, möchte
ich mit Ihnen dazu wieder erst einmal einige grundsätzliche
Überlegungen anstellen.
Nehmen
wir zuerst einmal an, wir beschweren unseren Bumerang mit nur einem
zusätzlichen Gewicht; wo wird der neue Schwerpunkt liegen?
Die Lösung ist recht einfach, da wir uns den alten Schwerpunkt
als Konzentrationspunkt der gesamten Bumerangmasse vorstellen können.
Demgegenüber steht das einzelne Gewicht, der neue Schwerpunkt
muß also auf der Verbindungslinie des alten Schwerpunktes
mit dem Zusatzgewicht liegen (Abb. 1).
Wie
weit sich der Schwerpunkt in Richtung auf das Zusatzgewicht verschiebt,
wissen wir mittlerweile auch, die Summe der Momente muß in
Bezug auf den neuen Schwerpunkt Null sein. Also gilt in Worte gefaßt,
das Produkt aus dem Bumeranggewicht und der Schwerpunktverschiebung
muß gleich dem Produkt aus Zusatzgewicht und der Entfernung
des Zusatzgewichtes von dem neuen Schwerpunkt sein. Mathematisch
ausgedrückt finden Sie das durch die Gleichungen von Abbildung
1.
Abb.
1
Das
gilt natürlich für jeden Punkt auf dem Bumerang, und nicht
nur, wie in der Abbildung gezeichnet, für ein Flügelende
des Bumerangs und ist auch unabhängig von der Bumerangform.
Die Gleichungen sind einmal nach der Schwerpunktverschiebung aufgelöst
und einmal nach dem Zusatzgewicht. Damit können Sie das benötigte
Gewicht an einem bestimmten Punkt des Bumerangs ermitteln, wenn
Sie den Schwerpunkt gezielt um einen bestimmten Betrag verlagern
wollen oder umgekehrt.
Der
Vollständigkeit halber wollen wir uns auch noch die Schwerpunktverschiebung
bei zwei Zusatzgewichten ansehen. Wie die rechnerische Ermittlung
aussieht ist Ihnen mittlerweile sicher schon klar. Wir errechnen
erst den Schwerpunkt der beiden Zusatzgewichte und betrachten diese
dann als ein Gesamtgewicht das in seinem Schwerpunkt konzentriert
ist. Der gleiche Schritt wiederholt sich dann mit diesem Gesamtgewicht
und dem Schwerpunkt des ungewichteten Bumerangs.
In
Abbildung 2 ist der Lösungsweg noch einmal zeichnerisch und
durch Gleichungen dargestellt.
Wir
haben jetzt für die verschiedenen Schwerpunktverlagerungen
eine gewisse Vorstellung entwickelt, wie und in welcher Richtung
sich zusätzliche Gewichte auswirken. Was bedeutet aber die
Schwerpunktverlagerung für den Bumerang?
Im
wesentlichen sind zwei Auswirkungen zu berücksichtigen. Die
eine ist eine Veränderung der sogenannten Neutralen Zone mit
Veränderung der Größe des Innenkreises, die zweite
ein Hängen des beschwerten Armes bzw. Bumerangteiles.
Sprechen
wir zuerst über die Neutrale Zone und den Innenkreis. Wir haben
sie ja schon im Kapitel Bumerangformen abgehandelt und wissen, daß
besonders die Größe des Innenkreises und die aus der
neutralen Zone herausragenden Flügelenden das Einkurven und
das Flachlegen beeinflussen. In Abbildung 3 sind die vier Richtungen
der Schwerpunktverschiebung mit der sich jeweils ergebenden neutralen
Zone an einem einfachen Bumerangmodell dargestellt.
Im
unbeschwerten Zustand ragt bei diesem Bumerang fast die Hälfte
der Flügellänge aus der neutralen Zone heraus, und zwar
in gleicher Länge an Arm 1 und Arm 2 (Abb. 3a). Wandert jetzt
der Schwerpunkt vom Ellenbogen weg, im dargestellten Fall (Abb.
3b) entlang der Mittellinie zwischen Arm 1 und Arm 2, so vergrößert
sich die neutrale Zone im Durchmesser doppelt so viel wie die Schwerpunktverschiebung,
gleichzeitig vergrößert sich der Innenkreis. Die Folge
davon ist eine Vergrößerung des Trägheitsmomentes
und daß die herausragenden Flügelenden gleichmäßig
kürzer werden.
Auf
den Bumerangflug würde diese Tatsache für sich betrachtet
ein langsameres Eindrehen und ein langsameres Flachlegen bedeuten.
Hinzu kommt aber noch, daß die Schwerpunktverlagerung ja durch
Anbringen von Gewicht(en) erreicht wird, der Bumerang also auch
noch schwerer wird. Das unterstützt also noch das langsamere
Eindrehen.
In
Abbildung 3c ist die entgegengesetzte Richtung der Schwerpunktverschiebung
dargestellt, nämlich zum Ellenbogen hin. Die neutrale Zone
wird Kleiner, die herausragenden Flügelenden werden größer.
Die Folge davon wird ein schnelleres Eindrehen des Bumerangs und
ein schnelleres Flachlegen sein. Hierbei wirkt sich die Gewichtserhöhung
aber nicht unterstützend aus wie im vorhergehenden Fall, sondern
wirkt dem schnelleren Eindrehen entgegen. Was davon überwiegt,
ist theoretisch nicht mehr so einfach abzuschätzen, das muß
der praktische Versuch zeigen. Die Ergebnisse werde ich Ihnen anschließend
auflisten.
Sehen
wir uns noch Abbildung 3d und 3e an. Hier wird der Schwerpunkt einmal
nach vorn und einmal nach hinten verschoben. In beiden Fällen
vergrößert sich die neutrale Zone, aber nur minimal.
Dafür tritt eine seitliche Verschiebung auf. Im Fall der Schwerpunktverlagerung
nach vorn (Abb. 3d) verkürzt sich demzufolge der herausstehende
Flügelteil von Arm 1, und der von Arm 2 wird länger. Die
Auswirkung wird ein langsameres Flachlegen sein, die Gewichtserhöhung
wirkt sich durch größere Flugweite aus.
Im
umgekehrten Fall (Abb. 3e) ragt Arm 1 weiter heraus und Arm 2 verschwindet
mehr in der neutralen Zone, der Bumerang wird sich schneller flachlegen.
In
der Praxis können diese Schwerpunktverlagerungen mit ihren
Auswirkungen nun sowohl in der dargestellten Form, als auch in verschiedensten
Kombinationen der horizontalen mit der vertikalen Verschiebung auftreten.
Kommen
wir nun zu der zweiten erwähnten Auswirkung der Schwerpunktverschiebung
durch Ballast. Wir wissen ja, daß der Bumerang im Flug sich
um seinen Schwerpunkt dreht, denn da sind alle durch die Rotation
entstehenden Kräfte im Gleichgewicht. Könnten wir den
Bumerang im schwerelosen, luftleeren Raum in Rotation versetzen,
so würde er sich in einer Ebene um seinen Schwerpunkt drehen
(Abb. 4).
Beim
Flug durch die Luft mit aerodynamischem Auftrieb und Einfluß
der Schwerkraft tritt jedoch ein Effekt auf, den ich vorhin mit
Hängen bezeichnet habe. Der beschwerte Arm bzw. die beschwerte
Seite des Bumerangs hängt im Flug tiefer als der unbeschwerte
Teil. Der durch die Rotation überstrichene Raum ist nicht mehr
eine Kreisscheibe wie beim unbeschwerten Bumerang oder beim beschwerten
im luftleeren Raum, sondern ein kegelstumpfähnlicher Raum mit
einer gewissen Dicke (Abb. 5).
Die
Darstellung ist hier natürlich übertrieben gezeichnet,
um den Effekt deutlich herauszustellen. Der beschwerte Teil des
Bumerangs, in der Zeichnung ein Armende des Bumerangs, beschreibt
einen kleineren Kreis, der unbeschwerte Arm einen größeren,
höher liegenden. Der Kreis der beschwerten Flügelspitze
ist deswegen kleiner, weil der Schwerpunkt ja zu dem Gewicht hin
verlagert wurde und somit der Abstand vom Schwerpunkt zur Flügelspitze
kleiner geworden ist.
Durch
dieses Hängen oder Schrägstellen des Bumerangs infolge
der Gewichtung treten zusätzliche dynamische Auftriebsveränderungen
durch Vergrößerung bzw. Verkleinerung des Anstellwinkels
der Tragflächen auf. Deren Auswirkungen sind aber so kompliziert,
daß wir hier mit den theoretischen Überlegungen lieber
abbrechen wollen und ebenfalls auf die später aufgelisteten
experimentellen Erfahrungen zurückgreifen wollen. Erschwerend
käme bei theoretischen Überlegungen noch hinzu, daß
sich die Dicke dieses Kegelstumpfes permanent ändert. Am Anfang,
wo die Rotationsebene noch nahezu senkrecht bzw. sehr steil ist,
wird die Auswirkung der Schwerkraft für dieses Hängen
noch gering sein, doch je mehr der Bumerang sich flachlegt, um so
größer wird der Einfluß der Schwerkraft.
Lassen
Sie mich abschließend nur noch eine Erklärung für
das Hängen des beschwerten Flügelteiles nachtragen, denn
so selbstverständlich wie es auf den ersten Blick scheint,
ist dieser Effekt nicht, da die Beschwerung ja durch die Schwerpunktverschiebung
erst einmal ausgeglichen wird. Würde man den Bumerang im verschobenen
Schwerpunkt aufhängen, so würde dieses Hängen nicht
auftreten, sehr wohl aber im Flug , obwohl er um genau diesen Punkt
rotiert.
Man
kann sich vorstellen, daß der Bumerang zu Beginn in einer
Ebene rotieren will. Alle Flügelteile erzeugen aber den gleichen
Auftrieb, so daß der schwerere Flügelteil schneller zu
Boden sinkt als der unbeschwerte. Da aber alle Flügelteile
fest aneinander hängen, ist das schnellere Sinken nur bis zu
einem gewissen Grad möglich. Ob dann der herabhängende
Flügelteil von dem anderen Teil mit getragen wird und diesen
auch etwas mit nach unten zieht, oder ob er durch das Kippen einen
größeren Anstellwinkel erreicht und dadurch selber mehr
Auftrieb produziert ist von der Art der Beschwerung, von der jeweiligen
Rotationsphase und der Anströmung abhängig. Es werden
immer beide Effekte kombiniert auftreten.
Georg August
Mühlenfeldstr. 82
13467 Berlin
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