Turbulatoren für 30-50m-Bumerangs
Einleitend
gesagt: Turbulatoren sind ein Patent der Natur - Samen, Insekten,
Vögel, kurz, alles, was klein ist und langsam, also bei niedrigen
Reynolds-Zahlen fliegt, ist mit ihnen ausgestattet.
Schon
seit mehr als 50 Jahren sind sie bei Flugmodellen der FAI-Klassen
auf den Flügeln, Höhenleitwerken und sogar auf Propellern
fast die Regel. Turbulatoren werden auch von Konstrukteuren von
Ultraleicht-Seglern und Motorflugzeugen verwendet, um die Gleitzahl
zu steigern. Hochbau-Architekten und Brückenbauer verwenden
sie, um die Windbelastungen an ihren Bauten zu vermindern.
Auch
bei Bumerangs werden verschiedene Maßnahmen benutzt, um den
Luftstrom turbulent zu halten. (Erwähnt bei Felix Heß,
U. Hartfiel, M. Claußen, W. Bretfeld). Leider hat keiner der
genannten Autoren konkrete Hinweise über den Nutzen für
die Bumerang-Praxis gegeben. Dennoch werden auch bei Bumerangs verschiedene
Möglichkeiten angewendet, um den Luftstrom turbulent zu machen.
Das beste Beispiel sind die Rillen auf der Oberseite mancher Kylies;
auch Löcher und Schlitze bei modernen Sportbumerangs dienen
als Turbulatoren besonderer Art. Turbulatoren sind allerdings keine
PANAZEA (=universal painkiller), d.h. z.B.: Mit ihnen kann man zwar
einen guten, aber übergewichteten Bumerang zu günstigerem
Flugverhalten, nicht aber einen schlechten Bumerang zum Fliegen
bringen.
Ein
ganz kleines Stück Theorie:
Am Anfang der Überlegungen zum Turbulator steht der Begriff
kritische Reynolds-Zahl. Wird diese Zahl überschritten,
steigt der Auftrieb sprunghaft an, der Widerstand hingegen verringert
sich. Das ist auf eine sprunghafte Veränderung des Strömungsbildes
zurückzuführen. Unterhalb der kritischen Reynolds-Zahl
entsteht eine laminare Grenzschicht, oberhalb eine turbulente Grenzschicht.
Ein günstiges Verhältnis Auftrieb/Widerstand ( = Gleitzahl)
zu erreichen bedeutet eben mehr Flugweite bei weniger Abwurfkraft.
Es kommt also darauf an, im überkritischen Re-Zahl-Bereich
zu fliegen.
Leider
ist dies bei Bumerangs nicht ohne weiteres möglich (zu kleine
geometrische Parameter, zu geringe Geschwindigkeiten). Deshalb muß
man den Luftstrom auf der Flügeloberseite mit künstlichen
Mitteln turbulent machen.
(Anm.:
Reynolds-Zahl: Armbreite mal Strömungsgeschwindigkeit durch
Luftzähigkeit.)
Meine
Experimente:
Während eines halben Jahres in 1995/96 habe ich mit mehr als
25 Bumerang-Modellen (Zwei - und Dreiflüglern) experimentiert;
die Zahl wurde später reduziert auf 5 (+2): A. Heckners-Fuzzi
30 m - G. Dimantschevs Logic 5 - D. Bonin Elixier
Racing - Al Gerhards Big Al Hook (90g, 60 m) -
R. Perry Aussie Fox (92g, 55m) - M. Dimantschew Promto
(22m) und Sabre (50m). Die Geräte wurden mit Turbulatoren
versehen und getestet. Alle Geräte hatten folgende Besonderheiten:
1.
Armdicke 0.14 - 0.18
2. Relativ schwer gewichtet, d.h. mit großem Masse/Fläche-
Verhältnis.
3. Flugentfernungen 45 - 60 m, nur bei Fuzzy etwa 30
m.
Zum
Aufkleben der Turbulatoren benutzte ich Fäden aus der Fallschirm-Produktion
aus 100% Polyamid C und Sekundenkleber, positioniert mit einem Cuttermesser.
Die Abbildungen zeigen die Anbringungsweise am Beispiel des Fuzzy.
Die Pfeile bezeichnen Anfang und Ende des Fadens.
Die
Effekte von Turbulatoren - (oder: Es lebe das Band zwischen Theorie
und Praxis):
Auf
der Basis folgender Daten aus meinen Wurf-/Flugerprobungen und der
Bumerang-Literatur berechnete ich einige aerodynamische Parameter
von 3 Modellen:
1.
Translationsgeschwindigkeit beim Abwurf: 22 m/s, in der Flug-Endphase:
16 m/s
2. Rotationsgeschw. beim Abwurf: 12 U/s, in der Endphase: 10 U/s
3. Mittlere Sinkgeschw. in der Flug-Endphase:1,5 m/s
4. Windgeschw.: 0 m/s
Effekt
1:
Die Flugweite ist größer bei weniger Wurfkraft.
In der Dissertation von Felix Hess (S. 260 - 267) sind Profil-Polaren
mit und ohne Fadenturbulatoren bei Anstellwinkeln zwischen 0 und
5º abgebildet ( in diesem Bereich fliegen die 30-60m-Bumerangs).
Es ist erkennbar, wie das Auftriebs/Widerstands - Verhältnis
von 6 auf 10 steigt. Und genau diesen Effekt habe ich bei meinen
Experimenten feststellen können. (Tabelle)
Effekt 2:
Der Flug ist gleichmäßiger und stabiler.
Abschließend:
Was Georgi Anestev am Anfang unserer Zusammenarbeit über die
Flugmodelle gesagt hatte, nämlich: Turbolatoren bei Flugmodellen
sind wie Lottospiel. Wenn man genug Geduld hat, kann man sehr viel
gewinnen. - kann ich nun, liebe Bumerangfreunde, erweitern
und sagen: Sehr viel gewinnen kann man bei den Bumerangs auch.
Als
weiterer Beitrag ist geplant: Turbulatoren für MTA-Bumerangs.
Georgi
Dimantschev
Hipodruma 139A-A-23
1612 Sofia
Bulgaria
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