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Jede Menge Ballast
Über
das Gewichten von Bumerangs, aus dem Buch von Georg August
(siehe Buchbesprechung auf Seite 11)
-Teil 1-
Möglichkeiten der Gewichtung und ihre Auswirkungen
Grundsätzlich
kann man sagen, daß jede Art von Gewichtserhöhung des
Bumerangs sein Trägheitsmoment und damit die Rotationsfreudigkeit
erhöht; doch erfordert auch jede Gewichtserhöhung bei
gleichbleibender Bumerangform und gleichem Profil einen kräftigeren
Abwurf, damit der Bumerang seinen Rückflug bis zum Abwurfpunkt
schafft, das höhere Gewicht muß ja durch ein Mehr an
Auftrieb ausgeglichen werden.
Durch
die Vergrößerung des Trägheitsmomentes wird der
Bumerang langsamer in die Kurve gehen, und somit eine größere
Distanz zu überwinden haben. Sie können das gerne ausprobieren,
indem Sie zwei von der Form identische Bumerangs aus Materialien
mit unterschiedlichem spezifischen Gewicht, z. B. Holz und Hartgewebe
bzw. Pertinax, bauen. Der Hartgewebebumerang wird erheblich weiter
fliegen. Gehen Sie aber bei der Auswahl der Materialstärke
von dem schwereren Material aus, hier also 3 bis 4 mm Hartgewebe
und bauen den Holzbumerang dann auch in 3 oder 4 mm, damit Sie auch
wirklich zwei flugtüchtige Bumerangs gleicher Abmessung und
gleicher Materialstärke erhalten.
Erhöht
man jetzt das Bumeranggewicht nicht homogen über den ganzen
Bumerang, sondern durch Anbringen von Gewichten eines schweren Materials
wie Eisen, Blei, Kupfer oder Zinn, so kann man zwei Kategorien unterscheiden.
Die eine berücksichtigt eine Gewichtserhöhung ohne Schwerpunktverlagerung,
die andere Kategorie betrifft die Fälle, wo sich auch die Schwerpunktlage
verschiebt.
[Diesen
Punkt bringen wir als Teil 2 in Ausgabe 4/96 -gb-]
Gewichtung ohne Schwerpunktverlagerung

Sehen
wir uns ein praktisches Beispiel in Abbildung 1 an. Der Einfachheit
halber ist ein Bumerang mit einer klaren geometrischen Form gewählt,
es sind vier gleich große Gewichte so plaziert, daß
der Schwerpunkt beibehalten wird.
Wenn
Sie diesen Bumerang durch Wahl der Gewichte genauso schwer machen,
wie einen Bumerang aus einem durchgehend schwereren, homogenen Material,
so wird die Reichweite trotzdem noch erheblich größer
sein. Durch die Konzentration von Gewicht an den vom Schwerpunkt
weit entfernten Bumerangteilen ist das Trägheitsmoment größer
als das des Bumerangs aus homogenem Material.
Wenn
Sie diese Variante als dritten Bumerang in das oben erwähnte
Experiment mit einbeziehen wollen, beachten Sie bitte bei der Plazierung
der Gewichte die Stabilität im Ellenbogen. Eventuell wählen
Sie für den Ellenbogenbereich lieber vier Gewichte mit kleinerem
Durchmesser anstelle der zwei großen Gewichte. Die notwendige
Größe können Sie der Tabelle von Seite 14 entnehmen,
das Gesamtgewicht im Ellenbogen muß jedenfalls genauso groß
sein, wie das Gesamtgewicht in beiden Flügelspitzen, jedenfalls
bei dieser symmetrischen Bumerangform.
Allgemeingültig
kann man sagen, daß sich der Schwerpunkt des Bumerangs nicht
verändert, wenn man zwei Gewichte auf einer durch den Schwerpunkt
gehenden Linie anordnet und ihre Gewichte so wählt, daß
sie umgekehrt proportional zum Abstand vom Schwerpunkt sind. Das
bedeutet, daß sie wieder auf den Schwerpunkt bezogen gleich
große Drehmomente in entgegengesetzter Richtung ausüben,
also kurzer Abstand großes Gewicht, großer Abstand kleineres
Gewicht (Abb. 2). Im Beispiel ist eins der beiden Gewichte im Flügelende
plaziert, die Gleichungen in Abbildung 2 gelten aber auch für
jede andere Linie durch den Schwerpunkt wie in Abbildung 3 dargestellt.
Wir
können noch einen Schritt weiter gehen, und eins der Gewichte
in zwei weitere so aufteilen, daß eins im Ellenbogen und das
zweite in der anderen Flügelspitze liegt (Abb. 4). Auch hier
müssen wieder die Drehmomente G4 ´ L4 und G3 ´ L3
gleich groß sein, so als ob ein Gewicht in G1 plaziert wäre.
Will
man also bei einem Bumerang ein bestimmtes Gewicht G so auf alle
drei Eckpunkte des Bumerangs verteilen, daß sich der Schwerpunkt
nicht verlagert, aber trotzdem ein maximales Trägheitsmoment
erreicht wird, so ist die Gesamtzuladung G so aufzuteilen, wie die
Abb. 5 zeigt. Die Gleichungen in Abb. 5 ergeben sich durch Einsetzen
der Gleichung für G1 und G aus Abb. 2 in die eingekästelten
Gleichungen von Abb. 4, die Gleichung für G2 ist in Abb. 2
und 5 identisch.
Die
Einschränkung auf symmetrische Bumerangs mit geraden Flügeln
konstanter Breite, wie ja in den vorangegangenen Zeichnungen immer
benutzt, gilt selbstverständlich nur für die Schwerpunktermittlung
des ungewichteten Bumerangs wie im Kapitel Der Schwerpunkt beschrieben
und für die einfache Gewichtsverteilung in Abb. 1.
Ist
uns der Schwerpunkt des ungewichteten Bumerangs bekannt, z. B. durch
experimentelle Ermittlung, so gelten sämtliche Rechnungen natürlich
auch für gekrümmte Bumerangs mit beliebiger Masseverteilung.
Es ist nur darauf zu achten, die richtigen Distanzen in die Rechnung
eingehen zu lassen, die Verbindungslinien müssen, wie in Abbildung
6 dargestellt, immer Geraden sein. Da außerdem, wie wir in
Abbildung 6 sehen, das gedachte Gewicht G1 durch die Bumerangkrümmung
nicht unbedingt auf dem Bumerang liegen muß, ist der gewünschte
Anbringungspunkt von G4 vorher festzulegen. Für ein großes
Trägheitsmoment legt man G4 auf einen möglichst großen
Abstand zum Schwerpunkt und verbindet dann die Lagepunkte von G3
und G4. Der Schnittpunkt mit der Linie von G2 durch den Schwerpunkt
S bestimmt dann unsere Strecken L1, L3 und L4.
Wollen
wir zu der Rechnung mit den Gleichungen aus Abbildung 5 noch ein
konkretes Beispiel betrachten. Wir nehmen einen gleichschenkligen,
rechtwinkligen Bumerang wie in Abbildung 7. Der Schwerpunkt und
die Strecken L1 bis L4 sind zeichnerisch ermittelt, die Mittellinien
der Schenkel sollen genau 30 cm lang sein, die Flügelbreite
beträgt 5 cm, geht aber nicht in die Rechnung mit ein. Wir
wollen den Bumerang mit insgesamt 10 g beschweren, das sind gut
zwei 10-Pf-Stücke, ohne daß sich die Schwerpunktlage
verändert. Die Berechnung finden Sie in Abbildung 8.
Wie
Sie sehen, ergibt sich bei diesem gleichschenkligen Bumerang die
gleiche Gewichtsverteilung, wie wir sie schon als selbstverständlich
in Abbildung 1 angenommen hatten. Wir könnten natürlich
auch die Gewichte G3 und G4 zu G1 zusammenfassen, und 7,5 g an der
Stelle von G1 anbringen, das Trägheitsmoment hätte dann
aber nicht seine maximale Größe.
Was
hier bei dem gleichschenkligen Beispiel eigentlich kaum einer Rechnung
bedarf, bei ungleicher Schenkellänge führt die Rechnung
aber doch schneller zum Ziel, als ein Herumprobieren mit Gewichten.
Lassen
Sie mich abschließend zu dieser ersten Kategorie, der Gewichtung
ohne Schwerpunktverlagerung, noch etwas sagen. Sie werden sich vielleicht
fragen, warum soll sich denn der Schwerpunkt nicht verschieben?
Wir werden anschließend in der zweiten Kategorie noch sehen,
was für Auswirkungen die verschiedenen Arten der Gewichtung
mit Schwerpunktverlagerung haben, auf jeden Fall ändern diese
Ballastierungen immer grundlegend die Flugeigenschaften. Die Gewichtung
ohne Schwerpunktverlagerung hingegen können Sie, wenn der Bumerang
erst einmal zufriedenstellend eingeflogen ist, immer anwenden, ohne
daß der Bumerang fluguntüchtig wird. Sie dürfen
das Gewichten natürlich nicht übertreiben, so daß
der Bumerang insgesamt zu schwer wird. Ansonsten ändern Sie
dadurch nur die Reichweite und die Rotationsfreudigkeit des Bumerangs,
probieren Sie es aus, es geht nichts über eigene Erfahrung.
Georg
August
(Adresse
siehe S. 11)
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