Bumerangs und der "Goldene Schnitt"?
Unter
Architekten ist es seit langer Zeit eine Streitfrage, ob der "Goldene
Schnitt" zur Erzielung zweckmäßiger und zugleich
anmutiger Proportionen dienlich oder unnütz ist. Zur Erinnerung:
er entspricht dem Verhältnis:

Annäherungen:
1 2 3 5 8 13 21 34 55 89 144 233 ...
1 3 4 7 11 18 29 47 76 123 199 322 ...
Wo
kann er nun bei Bumerangs vorkommen?
Wir
wollen einmal 360 Grad nach dem Goldenen Schnitt teilen: Wir erhalten
nacheinander (gerundet) die Winkel:
222,5 137,5 85 52,5 32,5 20°.
Der zweite dieser Winkel ist etwa der maximale Winkel, den das Bumerang-Knie
haben darf, sonst kommt er nicht zurück. Umgekehrt, es kommt
wohl auch kein Bumerang zurück, dessen Knie-Winkel 180 - 137,5
= 21,25 Grad nicht erreicht.
Eine
weitere Anwendung findet der Goldene Schnitt ohne weitere Berufung
darauf bei dem Verhältnis der Länge des einen Arms zum
andern bei den MTA-Fliegern.
Da
Bumerangs ja meist krumme Umrißlinien haben, ist schwierig
zu sagen, auf was sich ein "Goldener Schnitt" bei ihnen
beziehen sollte. Nehmen wir einmal an, es sei die Länge über
Alles und die Höhe quer dazu. Dann gibt es im Gesamtwerk von
Herb Smith nicht einen Bumerang mit "Goldenem Schnitt"
und auch sonst kaum. Allerdings kommt außer dem Saxon Charger
von Thomas Hartmann der Challenger III mit 0,616 dem Goldenen
Schnitt mit 0,618 am nächsten! Als drittnächster kommt
das Modell VI von Wilhelm Bretfeld für Walter Diem mit
0,612..
Georg
Schaarwächter
Petersbergstr. 85
50939 Köln
Tel. 0221/46 29 13
Bumerang-Konstruktion
"Wieviel
Auftrieb darf's denn sein?" - so fragten wir in Ausgabe 2/95.
Nicht viel, antwortete G. Dimantschev, erwähnte ein Hubschrauberprofil
und erläuterte einen Moment-Koeffizienten gegen Null (3/95).
Heute
möchte ich das Thema noch einmal aufgreifen und zu bedenken
geben, was beim Hubschrauber-Hauptrotor wirklich geschieht: Die
Drehgeschwindigkeit des Hauptrotors überlagert sich mit dem
Fahrtwind. Die Anströmungsgeschwindigkeit für das Rotorblatt
ändert sich daher ständig, je nachdem, ob es vor- oder
rückläuft. Um diese Ungleichmäßigkeit zu kompensieren,
ist das Blatt beim Vorlauf flacher gestellt als beim Rücklauf.
(Nach W. Blum: "Krach über den Köpfen", in "Die
Zeit" Nr. 42/95.) Setzen wir für "das Rotorblatt"
die Wörter "den Bumerangflügel" ein,
haben wir eine perfekte Definition für den Bumerangflug. Dann
würde die Antwort auf die Titelfrage sein: Mal viel, mal wenig.
Und genau das leistet der Hauptrotor des Hubschraubers.
Erst
nach einem Besuch im Hubschrauber-Museum in Bückeburg habe
ich begriffen, warum der Kopf der Hubschrauberflügel ein so
unglaublich komplexes Gebilde ist: Er muß laufend die Einstellwinkel
des Rotorblätter verändern. Die Tatsache der Überlagerung
der Anströmungen begrenzt im übrigen auch absolut die
Vorwärtsgeschwindigkeit von Hubschraubern: Über 560 km/h
geht nichts mehr.
Zurück
zum Bumerang:
30
- 40% der Gesamtströmung erfolgt gegen die Hinterkante (so
Brenning James), und der Ambidexter fliegt. Liegt hier auch eine
Antwort auf die Frage vor, warum Herb Smith das Profil auf den letzten
5 cm am Flügel 2 des Mini-Marathon ohne scharfe Hinterkanten,
also neutral (hinten wie vorne) gestaltet hat?
Will
sagen: Können oder sollten wir bei der Gestaltung unserer Bumerangs
berücksichtigen:
Vorne
= (auch) hinten; hinten = (auch) vorne, vor allem am Flügelende,
wo die Geschwindigkeitsüberlagerungen am deutlichsten in Erscheinung
treten?
wb
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