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Distanzabschätzung
durch Flugzeitmessung bei Weitfliegern
Von Lorenz Gubler
Wer Weitwurf kennt, weiß, daß bei dieser Disziplin
die eigentliche Meßgröße - die Flugweite - nur
mit großem Aufwand bestimmbar ist. An den Turnieren braucht
es jeweils ein Dutzend oder mehr Spotter, die sich nach mehr oder
weniger langer Diskussion auf einen Punkt der größten
Flugweite einigen. Die Resultatangabe auf Zentimeter genau ist meiner
Ansicht nach sowieso fraglich, Meter würden reichen (122,98
m natürlich abrunden auf 122 m), weil die Meßgenauigkeit
bei schätzungsweise ±1 m liegt. Aber was tut man, wenn man
alleine am Trainieren ist?
Da bleibt vorerst nur eine Möglichkeit: Distanz abschätzen.
Aber Vorsicht! Man kann sich hier ganz gewaltig täuschen. Ich
dachte beispielsweise von einem Boom: Der fliegt sichere 100 m.
Als wir (d.h.: Tibor und ich) dann die Distanz eines guten Wurfes
effektiv maßen (siehe unten), waren es knapp 80 Meter. Man
tut sich also einen Gefallen, wenn man prinzipiell 15% vom geschätzten
Wurf subtrahiert, sonst wird man spätestens beim nächsten
Turnier auf den Boden der Tatsachen gebracht.
Klar, bis 50 m ist die Distanz gut abschätzbar (für ein
geübtes Auge vielleicht auf 5 m genau), bis 80 m vielleicht
auf 10 m genau, zwischen 80 und 100 m wird es schon schwierig, und
ich sage: Weiten über 100 m sind nicht zuverlässig schätzbar
(für mich fliegt ein Teil dann einfach weit). Ob es
nun 108 oder 132 m sind, ist entscheidend, aber in keiner Weise
von Auge abzuschätzen. Was allerdings helfen kann, sind Abstürze
im Bereich der größten Weite: Man kann so die Distanz
abschreiten, vom Wert in Metern 20% abziehen und hat dann eine Größenordnung
für die Distanz. Für die Schätzung mit dem Auge muß
man einen Bumerang gut kennen und seine Größe mit einbeziehen
(kleinere scheinen weiter zu fliegen als größere).
Wenn man zu zweit ist, kann man bereits überschlagsmäßig
Distanzen messen, was aber mühsam für denjenigen ist,
der nicht wirft (typischer Werfer-Spruch: "Dieser Wurf war
schlecht - warte, ich werf’ nochmals!") Dazu reicht es in der
Regel völlig aus, die beobachtete Flugweite abzuschreiten und
dann je nach individueller Schrittlänge (bei mir z.B. 103 Schritte
= 100 m) die Distanz zu ermitteln. Bei dieser Methode liegt die
Genauigkeit bei ca. 5 m (falls man wirklich direkt unter dem Bumerang
war!)
Zwei- bis dreimal messen wir mit dem Meßband. Es lohnt sich,
auf optimale Bedingungen zu warten. Wenn die Flugbahnen der einzelnen
Geräte vertraut sind und man als Spotter am richtigen Ort steht,
erreicht man dieselbe Meßgenauigkeit wie beim Turnier (ca.
2m). Ist man einmal dabei, sollten möglichst viele Bumerangs
gemessen werden, um wiederum Daten für Schätzungen und
die Flugzeitmethode (wird gleich erläutert) zu gewinnen.
Flugzeitmethode:
Als eines meiner Geräte wieder einmal weit flog, wollte
ich nur so aus Spaß einmal die Flugzeit stoppen. Es waren
13 Sekunden. Ein bißchen mehr gesichelt und es waren nur noch
10 Sekunden. Ich kam dadurch auf die Idee, Weiten über 100
m durch Stoppen der Uhrzeit grob abzuschätzen. Also habe ich
möglichst viele Bumerangs geworfen, die eine ähnliche
Flugbahn besitzen, und damit effektive Flugweiten gemessen. Oder
die bekannte Weite genommen und dazu die Zeit gestoppt. Dabei bin
ich auf die Zusammenhänge gemäß Tabelle 1 gekommen.

Ich muß nochmals betonen: Solche Abschätzungen lassen
sich nur mit Booms machen, die eine ähnliche Flugbahn haben.
Ich habe hier Geräte verwendet, die (bei optimalem Wurf) auf
dem Rückweg abtauchen und am Ende keine Schwebephase besitzen,
sondern in Flugrichtung nach rechts wegdrehen (s. Abb.). Es ist
durchaus möglich, mit 80 m-Geräten Zeiten um 18 s zu stoppen.
Das dürften dann allerdings solche sein, die auf dem Rückweg
abbremsen und sich bei optimalem Wurf floatend und einfach zu fangen
in den 20 m-Kreis senken. (Ein solches Gerät habe ich in Kiel
in eine Baumgruppe gepflanzt. Wenn ihn also jemand finden sollte...)

Gewöhnlich benutze ich eine Kombination der genannten Varianten,
indem ich zuerst schätze, dann die zeit nehme und als letztes
messe (das tue ich vielleicht ungewollt schon vorher nach einem
Absturz).
So, das wär’s. Konstruiert nun, sägt, schleift, gießt,
stanzt, klebt, locht, gewichtet, kanneliert, tunt, bemalt...
MHR
Lorenz Gubler
Oberglattnerstr. 1
CH-8185 Winkel
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