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Wohin mit den Holzabfällen?
Diese
Frage habe ich mir immer öfter gestellt, nachdem der Berg von
Holzstücken im Hobbykeller immer größer wurde! Als
ich letztes Jahr beim Tapir - Cup als Preis mehrere Schwirrhölzer
sah (von wem waren die eigentlich?), da fiel es mir wie Schuppen
aus den Haaren.
Schwirrhölzer sind, wie der Name schon sagt,
meist ovale und flache Hölzer, die man an einer Schnur kreisen
läßt. Sobald durch die Luftreibung das Schwirrholz in
Rotation versetzt wird, erzeugt es einen Brummton, es "schwirrt".
Zu sehen übrigens in dem recht bekannten Film "Crocodile
Dundee II".
Da gab’s nur erstmal einige Schwierigkeiten: Bei meinen
Nachforschungen wußte keiner so genau, wie die Dinger genau
aussehen bzw. profiliert sind. Zum Glück konnte mir Gerhard
Bertling aushelfen, auch Georg Thoms gab mir ein paar Tips. Dann
noch das Buch von Gerhard Schlatter (Bumerang und Schwirrholz, Berlin:
Reimer, 1985, in erster Linie nur Historisches), und los ging’s.
Das heißt, eigentlich nicht, denn so einfach
funktionieren die Dinger nun doch nicht. WENN sie einmal rotieren,
machen sie auch ordentlich Krach, aber ich wollte, daß die
Dinger von alleine "anspringen". Nach einigen Experimenten
klappte es immer besser, das Profil könnt ihr den Bauplänen
entnehmen. Wer erzielt bessere Ergebnisse?
Also, erstes Problem: "Autorotation":
zufriedenstellend gelöst.
Zweites Problem: Wie verhindere ich ein Verdrehen
der Schnur und welche Schnur nehme ich dazu? Lösung:
Kleine Wirbel aus dem Drachenladen (kleinste Größe bis
35 kg Zug belastbar = völlig ausreichend) und Maurerschnur,
ist schön stabil und vor allem: billig und bunt! Aber Vorsicht,
die Schnur kann einem die Haut am Finger wegribbeln, bis zur Blase.
An einer Lösung für dieses Problem arbeite ich momentan,
ist aber schwer zu erklären.
Drittes Problem: Nur Holz? Keineswegs, GFK,
Pertinax, PP, PE, PVC etc. ist geeignet, nur sollte das Schwirrholz
schwer genug sein, um es in ausreichend starke Rotation versetzen
zu können. Auch Naturholz macht sich gut (Scheiben aus Kaminholz,
entsprechend profiliert und gewachst, sehen richtig edel aus).
Viertes
Problem: Größe und Dicke egal? Keineswegs, aber doch
mit einem großen Spielraum. Beste (Holz-) Ergebnisse habe
ich mit 4 - 6 mm Holz bei etwa 20 - 30 cm Länge erzielt. Prinzipiell
gilt:
Je dicker, desto schwächer der Ton
und je größer, desto tiefer der Ton.
Fünftes Problem: Form auch egal? Wie man’s
nimmt, ich habe auf jeden Fall einige schöne ausprobiert, siehe
Umrisse auf der nächsten Seite.
Sechstes Problem: Wie lang sollte die Schnur
sein? Grundsätzlich so lang, daß man das Ding noch im
Kreis schleudern kann. Pi mal Daumen reichen 0,8 - 1 m Schnurlänge.
Da dies der Radius ist und der Arm meist mitkreist, kommt man etwa
auf einen 2½m - Kreis. Also nur draußen benutzen und alles
in Deckung gehen!
Verzieren kann man die Schwirrhölzer mit dem Brandeisen,
Lack, Klebeband, Wachsen, Beize u.s.w., aber auch - wie die Aborigines
- mit Fell bzw. Federn bekleben. Selbstklebendes Klettband tut’s
auch, aber was das bringen soll, weiß ich (noch) nicht. Und
zur Krönung: Schlitz in die Mitte, Knicklicht rein und nachts
schwirren gehen! Ansonsten heißt’s: Ausprobieren!
Wozu das Ganze? Na klar, weil’s Spaß
macht. Die Aborigines benutzten es, um bei heiligen Riten durch
den surrenden Ton, der durch die Stimmen der Geister erzeugt wird,
"Unwissende" wie Frauen und junge Männer fernzuhalten.
In einigen Regionen Afrikas wurden eiserne Schwirrhölzer für
magische Riten benutzt. Schafhirten in Schottland benutzten es,
um ihr Vieh von der Weide zusammenzurufen und eine Handvoll experimenteller
Kompositionen des 20. Jahrhunderts benutzten sie auch. Seit prähistorischer
Zeit genießt das Schwirrholz außerdem als Fruchtbarkeitssymbol
höchste Verehrung; jedoch ist sein Anblick den Frauen in einigen
Kulturen sogar verboten. Ich benutze es "einfach so",
weil’s eben Spaß macht (und weil dann alle fragen: "Was’n
das für’n Ding?").
Übrigens: Zum Dürener Turnier bitten wir
hier alle Teilnehmer, ein Schwirrholz mitzubringen, denn immer nur
Suicide für die Zuschauer reicht uns nicht. Den Klang von mindestens
30 Schwirrhölzer, die gleichzeitig losheulen, möchte ich
gerne Band haben.)
MHR wünscht
Hagü Nikolayczyk
Ringstr. 21
53919 Weilerswist
Anmerkung:
Es geht auch ohne Angler-Wirbel an der Schnur (sowas
hatten die Aborigines sicher auch nicht). Das Schwirrholz dreht
sich dann erst in einer Richtung. Wenn die Schnur ausreichend verdrillt
ist, verlangsamt man die Rotation und wartet, daß sich die
Drehrichtung des Holzes ändert (das geht ganz von allein).
Der Ton in Gegenrichtung ist meist ein anderer!
gb
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