Wieviel Auftrieb darf's denn sein?
Wenn man beginnt, Bumerangs zu bauen, vor allem dann,
wenn man als Flugmodellbauer oder Segelflieger über Flügelprofile
Bescheid weiß, möchte man dieses Wissen gern auf Bumerang-Entwürfe
übertragen. Tut man das, bekommt man schön floatende,
bis zum Schluß des Fluges sehr schnell rotierende Geräte,
die man zwar durch Gewichte ein wenig zähmen kann, doch durch
sie die Drehgeschwindigkeit am Schluß des Fluges weiter erhöht.
Mir scheint, daß diese Widerstandsminimierung
über das Profil nur noch für MTAs nützlich ist, um
die Sinkgeschwindigkeit klein zu halten. Und auch den Luftwiderstand;
deshalb baut man ja MTAs mit scharfen Hinterkanten, "lawn mower
blades" eben. Aber auch nur MTAs.
Die meisten Konstruktionseinfälle heutiger Bumerangbauer
dienen der Vergrößerung des Luftwiderstandes. Dadurch
ist ein besonders kräftiger Abwurf erforderlich, und das Fluggerät
steht am Ende des Fluges fast still, es "stellt" sich
in der Luft zum Fang bereit. Dieser Stillstand am Schluß,
sowohl der Rotation als auch der Translation, fiel sogar den Freunden
von Gregory Bisiaux auf, die seinen 15,03 s Fast-Catch-Weltrekord
gefilmt haben.
Die zahlreichen Beispiele zur Vergrößerung
müssen hier ja nicht noch einmal aufgezählt werden. Michael
Siems gibt in seiner Neuen Baumappe eine Übersicht.
Die Schlitzer, Bohrer, Bekleber und Bezieher unter unseren Freunden
überraschen immer wieder mit interessanten Einfällen.
Schauen wir auf die Long Distance Geräte, ergibt
sich eine andere Konstellation im Verhältnis zwischen Auftrieb
und Luftwiderstand: Begrenzter Auftrieb, geringster Luftwiderstand.
Volker Behrens ist es gewesen, der begonnen
hat, die Hinterkante seines "Challenger" zu unterschleifen,
also den Auftrieb zu vermindern, ohne den Widerstand größer
werden zu lassen. Das haben Gorny und Schlegel in ihrer Baumappe
2 eindrucksvoll weitergeführt.
Geht man noch einen Schritt weiter, endet man beim
Hubschrauberprofil, (und damit auch beim bikonvexen Profil der aboriginalen
Geradeausflieger) aber eben für Rückkehrer. Sehen wir
uns doch einfach einige der angesprochenen Profile an:


Der Hubschrauberflügel ist ja noch in anderer
Weise für Bumerangwerfer interessant: demonstriert er doch
am deutlichsten den Unterschied zwischen der intermittierenden Profilumströmung
eines rotierenden Flügels und der stetigen Strömung eines
dahingleitenden Segelflugzeuges. Immerhin wechselt die Strömungsrichtung
10 mal pro Sekunde (!); außerdem ist noch zu berücksichtigen,
daß 30 - 40 % der Gesamtströmung gegen die Hinterkante
erfolgt (der gerade nach unten zeigende Bumerangarm fliegt rückwärts!).
Zu diesem Tatbestand hat Brenning James den Vorschlag gemacht,
das Profil entsprechend "back to back" zu gestalten. Eine
Kuriosität, die mit der Zeichnung des so angeordneten Profils
(sein Beispiel: CLARK Y ) besonders deutlich wird.

Wenn auch Brenning James berichtet, daß
solche Profile aus dem "Mittel" des gleichen Profils häufig
verwendet werden, so möchten wir unsere Leser anregen, es doch
einmal mit einem dem Hubschrauber angenäherten Profil zu versuchen.
Denn immer bleibt ja noch das praktische Problem, daß Bumerangs
aus sehr dünnem Material (1,5 - 2,5 mm) häufig sehr hoch
fliegen. Wenn man nicht bohren will, wie Hartmut Steeb es mit seinem
Sieger-Gerät in Tokio getan hat: Wie wäre es mit einem
Hubschrauberprofil, auch bei dünnen Drei- oder Mehrflüglern?
Michel Dufayard hat im vorigen Jahr in Kiel
immerhin Weitflüge mit dünnen Dreiflüglern getätigt.
Leider konnte ich mir das Profil nicht ansehen, vermute aber deutlichen
Unterschliff vorn und hinten.
Dr. Brenning James baut seit 25 Jahren Bumerangs.
Ich habe zum ersten Mal von ihm gehört als Vorsitzenden des
britischen Clubs zur Förderung des Bumerangsports und zur
Verhinderung von Bumerangtreffern. Das waren die Werfer, die
einen Stahlgitterkäfig am Abwurfplatz aufstellten, in den sie
hineinschlüpften, um sich vor ihren zurückkehrenden Bumerangs
zu schützen. Er ist prominenter Segelflieger und hat den Bumerang
gebaut, mit dem der Leichtathlet Paul Dickinson 1978 während
des Lucas Lancaster Wettbewerbes 190 m geworfen hat
[mit oder ohne Rückkehr? -gb-].
Brenning vertreibt eine kleine Schrift: "Boomerangs
- Theorie und Construction" im Selbstverlag. Lesenswert, wenn
auch mit chaotischer Numerierung der Abbildungen.
Dr. Brenning James
Cherry Orchard
Marlow Common
Bucks SL7 2QP
( Marlow 06284 3509
Die Auswahl der Hubschrauber-Profile verdanke ich
Georgi Dimantschev.
wb
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