

Editorial
Plaste und Elaste
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Plaste und Elaste
Kunststoffe im Bumerangbau
Von Jügen Rode
Diverse Kunststoffe werden seit geraumer Zeit von Bumerangbauern getestet. Waren
zu Beginn nur Zweiflügler gefragt, so sind mit den Drei- und Vielflüglern
neue Materialien in die Bumerangwerkstatt eingezogen.
Hauptproblem ist nach wie vor die Beschaffung von günstigen Kunststoffen
auf Plattenbasis. Oft werden von produzierenden Firmen Mindestabnahmen in der
Größenordnung 5 - 10 Platten á 2 qm zzgl. Frachtkosten verlangt,
wobei die Preise dann wirklich günstig sind. Beim Händler an der Ecke
kostet dann ein halber qm plötzlich das dreifache. Die Menge macht den
Preis. Doch um erste Erfahrungen zu sammeln sollte man sich ruhig den teuren,
halben qm kaufen billiger als Holz ist das meist trotzdem.
Gute Händlerquellen findet man in den Gelben Seiten unter Kunststoffe.
Welches Material für welchen Bumerang?
Wilhelm Bretfeld hat in seinem Buch Bumerangs aus Makrolon (ähnlich Plexiglas,
bruchfest) vorgestellt. Zu dieser Zeit wurden vorwiegend große Zweiflügler
mit mehr oder eher weniger Erfolg aus Makrolon gebaut. Erst mit dem Aufkommen
der Dreiflügler erinnerte man sich an Kunststoffe.
So wurden die neuen Bumerangs immer kleiner und leichter, so fanden fast alle
Materialien Verwendung.
Polypropylen (PP) und PVC waren die ersten neuen Kunststoffe die
allgemeinen Zuspruch erhielten. Wobei sich mittlerweile PP durchgesetzt hat.
PP ist weniger spröde, weitgehend ungiftig und wiederverwertbar. Da es
in 4 mm und 5 mm ziemlich fest ist und auch seine Biegung hält, ist es
für die meisten Mehrflügler zu empfehlen. Außerdem ist es mit
DM 40,- pro qm sehr günstig.
Nachteil: Durch das geringe Eigengewicht sind Weiten auch mit gewichteten Bumerangs
nur bis max. 30 - 35 in möglich.
ABS läßt sich leichter bearbeiten, ist leichter zu biegen
und hält eine Biegung sofort, das Material ist fester als PP. Im Winter
neigt ABS zum Brechen. Hervorragend für Mehrflügler mit max. 25 in
Flugweite (Trickfang und Fast Catch!).
Pertinax wurde dagegen schon lange im Bumerangsport für Weitwurfbumerangs
eingesetzt. Hervorragend geeignet für MTA in 1,5 mm - 2 mm und in 3 mm
und 4 mm für Weitwurfbumerangs.
Riesenproblem: Beim Bearbeiten entweichen giftige und extrem stinkende Phenole.
Deswegen unbedingt, was bei jeder Kunststoffbearbeitung Pflicht sein sollte,
Gasmaske benutzen und im Freien oder am gut belüfteten Arbeitsplatz arbeiten!
Bewährt hat sich auch, statt zu schleifen eine Abziehklinge zu benutzen.
Weniger stinkende Dämpfe. Aus Schweden habe ich zuletzt Pertinax besorgt,
das zwar doppelt so teuer, aber fast geruchslos zu verarbeiten war (was nicht
heißen soll, daß es auch ungiftig war!)
Pertinax wird per Kilo verrechnet und kostet ca. DM 10-14,- pro kg. Auf Plattenbasis
ca. DM 60 - 70 für 2 mm pro qm. Neu ist das 1,75 mm Pertinax im MTA Bereich.
Ola Wahlberg aus Schweden baut seit '91 seinen Snake-MTA nur aus diesem Material!
Stabiler als 1,5er und nicht so schwer wie 2 mm.
Als jüngste Entwicklung werden seit kurzem auch Laminate aus GFK
und CFK, beziehungsweise Verbindungen aus beidem verwendet. Glasfaserverstärkter
Kunststoff ist dabei erheblich billiger als Kohlefaserverstärkter Kunststoff
Für Drei- und Mehrflügler bestens geeignet. Flugweiten über 50
in möglich. (2 - 3 mm).
Weitflieger bauen die Cracks aus 3 - 5 mm starkem Material, wobei die Preise
exponential mit der Stärke steigen. Gute GFK-Platten sind Handarbeit und
werden nur gegen gutes Geld von Spezialfirmen hergestellt. CFK ist sehr teuer
und hat sich bisher nur für Weitwurf-Freaks bewährt.
Platten kosten bei GFKje nach Stärke zwischen DM 70 - 200,- je qm, bei
guten Kohlefaserplatten (übrigens krebserregend) muß man mit dem
fünf bis zehnfachen rechnen.
Harald Gerbig (Außerhalb 76, 63329 Egelsbach, Anfragen bitte mit Rückporto!)
laminiert sich GFK-Platten daheim auf der Tischtennisplatte selber. Mit dem
entsprechendem Harz und Glasfasermatten kein Problem. Doch er hat auch jahrelange
Erfahrung mit diesen Materialien als hauptberuflicher Flugzeugbauer. Seine neuesten
Kreationen sind Laminate aus Kohlefaser und Glasfaserplatten. Äußerst
hart und extrem viel billiger als reine CFK-Platten. (Preise auf Anfrage bei
Harald). Auch Laminate aus Holz und GFK sind möglich.
Da Adam Müller mit seinen Kreationen immer wieder zeigt, daß mit
den neuen Kunststoffen immer noch etwas Neues möglich ist, gehört
den Kunststoffen die Zukunft, wobei der gute alte Holzprügel doch immer
noch am schönsten fliegt.
Jürgen Rode
Schillerstraße 43
63329 Egelsbach
06103/42364
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