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Oberflächenbehandlung:
Farben und Lacke
Eigentlich hatte ich einen Artikel über das Ölen und Wachsen von Naturholzbumerangs
geplant. Aber Klaus Binder aus Schwedt regte an, doch einmal besonders
für uns Ex-DDR´ler etwas über die Oberflächenbehandlung
allgemein zu schreiben. Wie mir Matthias Kutschera noch zu DDR-Zeiten erzählte,
waren Lack-Spraydosen dort für kurze Zeit erhältlich, wurden aber
nach dem Auftauchen der ersten graffiti wieder vom Markt genommen.
Hier nun, besonders für unsere Freunde in den neuen Bundesländern,
meine praktischen Erfahrungen bei der Oberflächenbehandlung von Bumerangs.
Lacke
Wer genügend Zeit hat, kann praktisch jeden Kunstharzlack verwenden, der
von den unterschiedlichsten Herstellern in allen Farben, hochglänzend,
seidenmatt und matt angeboten wird. Er ist in Spraydosen und zum Streichen erhältlich.
Die Oberfläche wird wetter-, stoß-, schlagfest und elastisch. Nachteilig
ist die lange Trockenzeit. Wer (wie ich) zu den ungeduldigen Zeitgenossen zählt
und es nicht abwarten kann, das neue Teil auszuprobieren, sucht daher nach anderen
Materialien.
Anfänglich benutzte ich den, besonders in den USA verbreiteten, Einkomponenten
Polyurethan-Lack, wie er bei uns z.B. in Heimwerkermärkten von Clou und
Zweihorn (zum Streichen) erhältlich ist. Dieser Lack trocknet recht schnell
(über Nacht) und hat keinen allzu unangenehmen Geruch. Nach mehreren Schichten
(Grundieren mit verdünntem PUR-Lack) bekommt man eine dicke, glänzende
Oberfläche, die jedoch einige Nachteile hat: Sie ist sehr hart (platzt
bei Biegung) und neigt zum Vergilben.
Es gibt auch Zweikomponenten-PUR-Lack (Bootslack, DD-Lack), der allerdings erst
angerührt werden muß und nur eine sehr kurz Topfzeit hat. Für
den Gelegenheitsanwender ist die Herstellung des richtigen Mischungsverhältnisses
der beiden Komponenten sehr schwierig.
Noch schneller trocknet Acryl-Lack (Wasserlack, Dispersionslack), der dazu den
Vorteil hat, wasserverdünnbar zu sein (man kann den Pinsel also in Wasser
auswaschen). Außerdem ist er völlig geruchsneutral. Sehr gute Qualitäten
werden als Parkett-Siegellack angeboten. Abraten kann ich von dem sogenannten
Aqua-Lack in Spraydosen (Dupli-Color). Dieser Lack ist nach Tagen
(!) noch nicht trocken und so zähflüssig, daß man eine extrem
dicke Schicht aufbringen muß.
Am schnellsten trocknen Acryl- und Nitrolacke aus der Sprühdose (Autozubehör).
Aber Vorsicht: Nie auf einen vorhandenen Kunstharz-Lack sprühen -das gibt
Blasen! Die meisten erhältlichen Spraydosen (Autolacke) sind Acryllacke,
darunter auch die so beliebten (und sinnvollen) Tagesleuchtfarben (Neonfarben).
Diese kann man auf einen Nitro-Untergrund auftragen, umgekehrt ist Vorsicht
geboten. Im Zweifelsfall ausprobieren!
Hier eine Verträglichkeits-Skala:
Kunstharz-Lack
PUR-Lack
Acryl-Wasserlack
Acryl-Autolack
Nitro-Lack
Einen obenstehenden Lack kann man auf einen untenstehenden auftragen - nicht
umgekehrt. Das muß aber nicht heißen, daß diese Kombinationen
auch gut aufeinander haften! So haftet z.B. PUR-Lack sehr schlecht auf Nitro-Untergrund.
Spätestens, wenn man mit Klebeband befestigte Gewichte wieder entfernen
will, merkt man das.
Grundierung
Holz muß grundsätzlich grundiert werden. Hierfür benutze ich
Schnellschleif-Grundierung (Einlaßgrund, Porenfüller) auf Nitro-Basis,
z.B. von Clou oder Zweihorn. Dieses Material stinkt zwar fürchterlich,
trocknet aber sehr schnelle (ca. 30 Minuten). Es wird üblicherweise in
Metallbüchsen mit Schraubverschluß angeboten. Ich habe mir einen
kleinen Flachpinsel (Hausfrauenpinsel) auf die richtige Länge
gekürzt, daß er in der Büchse verbleiben kann (spart das Auswaschen).
1-2 Schichten mit Zwischenschliff bilden den idealen Untergrund für Spraylacke
auf Nitro- oder Acrylbasis. Bei wasserlöslichem Dispersionslack grundiert
man am besten mit verdünntem Lack. Ebenso bei den PUR-Lacken. Bei Kunstharzlacken
kann sowohl Nitro-Einlaßgrund als auch eine Vorstreichfarbe aus der Serie
des Herstellers benutzt werden.
Kunststoffe (Polypropylen, ABS) erfordern vorher eine zusätzliche Behandlung
mit Kunststoff-Haftvermittler. Darauf kann dann entweder direkt
der deckende Lack oder bei nicht deckenden (z.B. Neon-Lacken) eine weiße
Grundierung aufgetragen werden.
Pertinax erfordert i.d.R. keine spezielle Vorbehandlung. Deckende Lacke können
direkt aufgetragen werden.
Beispiel:
Als Beispiel möchte ich die (sehr verbreitete) Lackierung mit Tagesleuchtfarben
(Neon-Farben) vorstellen, die wegen der guten Sichtbarkeit bis in die Dämmerung
hinein sehr beliebt ist.
Holz
Feinschliff, bis keine Riefen mehr sichtbar sind (ich benutze den Bosch-Exzenterschleifer
mit 100er Schleifscheiben).
1xGrundierung mit Schnellschleifgrund (Nitro).
Zwischenschliff (Korn 100-200).
Je nach Geschmack, weißen Untergrund (Nitro oder Acryl) sprühen,
das erhöht die Leuchtkraft der Tagesleuchtfarben, verdeckt aber die Leimschichten
des Holzes, oder eine zweite Schicht Schnellschleifgrund.
Zwischenschliff mit 200er Korn. Nicht, wenn weiße Grundierung gesprüht
wurde!
Aufsprühen der Tagesleuchtfarben nach Geschmack naß-in-naß,
z.B. Übergang grün-gelb-orange-rot (Acryl).
Schutzschicht aus Klarlack (Acryl), z.B. Decklack für Metallic-Lackierungen.
Kunststoff
Wie bei Holz. Aber statt der Grundierung mit Nitro-Schnellschleifgrund den erwähnten
Kunststoff-Haftvermittler aufsprühen. Bei transparentem Material (Polypropylen)
kann der weiße Untergrund entfallen.
Pertinax
Wie bei Holz. Weißer Untergrund ist selbstverständlich erforderlich.
(Wer statt der Neon-Farben deckende Grundfarben verwenden will, kann auf den
weißen Untergrund natürlich verzichten.)
Kaufempfehlungen
Als Grundierung für Holz kann ich den Schnellschleifgrund von Clou oder
Zweihorn empfehlen.
Den mehrfach erwähnten Kunststoff-Haftvermittler gibt es z.B.
von AUTO-K (Artikel-Nr. 233 055).
Als weiße Grundierung kann jedes weiße Spray verwendet werden. Ich
benutze den Haftgrund weiß von Belton (unter10.-DM) . Dieses
Material ist allerdings sehr agressiv - sogar auf dem Nitro-Schnellschleifgrund
kann es Risse geben. Für Pertinax und Kunststoffe ist es aber ideal.
Tagesleuchtfarben: Hier verwende ich (ebenso wie bei deckenden Volltonfarben)
die deco-spray Serie von Belton. 400ml-Dosen kosten um die 10.-DM.
Empfehlenswert sind ebenfalls die Produkte der holländischen Firma Motip
sowie die sparVar-Lacke von Karstadt. Abraten kann ich von der Deco-fluorescent
Serie von DUPLI-COLOR. Sie kosten fast das Doppelte und sind wesentlich blasser.
Der beste mir bekannte Klarlack ist der AUTO-K 2-Schicht-Klarlack
der Firma Peter Kwasny. Er kostet ab ca. 12.-DM pro 400ml-Dose und
ist in seiner Transparenz und Festigkeit unübertroffen.
(gb)
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