

Editorial
Ende des B'-Fluges
Form-Klassifikation
Aussie Round
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Verschiedenes
Laminat-Bau
Absauganlage (2)
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Ulli Wegner
Das "Ende" des Bumerangfluges
Neues aus der Bumerangphysik?
THESE:
Alle Rechtshänderbumerangs beschreiben nach einer oder mehreren gegen den
Uhrzeigersinn gerichteten kreisähnlichen Flugbahnen anschließend
Flugbewegungen im Uhrzeigersinn.
Der Bielefelder Physikprofessor de Groot stellte in Vorträgen vor den SportstudentInnen
meiner Bumerangsportkurse wiederholt eine ähnlich formulierte These auf
und versuchte uns mit Hilfe von kleinen Experimenten auch davon zu überzeugen.
Noch im letzten Jahr war ich der Meinung, daß diese These vielleicht physikalisch/mathematisch
belegbar sei, die Bumerangpraxis uns jedoch im Wurfalltag in der Regel zeigte,
daß nur wenige Bumerangs vor Beendigung ihres Rückkehrfluges sozusagen
in eine Gegenkurve einbiegen.
Kam ein neuerbauter Bumerang dann tatsächlich in Form einer S - Kurve zum
Werfer zurück, so haben wir diese unerwünschte Flugbahn in der bisherigen
Literatur als Bau- bzw. Flugfehler behandelt. Schnell also Arm 1 etwas herunterbiegen,
vielleicht noch einige mm positiv anstellen und schon war der "Makel"
des Bumerangs beseitigt. Meines Wissens hat bisher noch niemand aus der Bumerangszene
nach Gründen dieses Richtungswechsels gefragt (vgl. Aepli, Hartmann, Siems
u.a.). Selbst Physiker wie Hess (S. 112) und Walker (S. 112) beschreiben die
Gegenkurve lediglich, bei Weber (S.37f) gibt es Hinweise, daß das Schweben
von Bumerangs "nicht mehr mit der Kreiseltheorie erklärt werden kann,
sondern eher mit dem Gleiten eines Flugzeuges".
Seit diesem Frühjahr beschäftige ich mich erstmals intensiver mit
Langzeitfliegern (an gb: dieser Fachbegriff wird bereits von T. Hartmann u.a.
verwendet). Und was stelle ich fest, als ich die ersten Wurferfolge zu verzeichnen
habe: In den meisten Fällen kommt der Bumerang in der Tat auf einer spiralförmigen,
im Uhrzeigersinn gerichteten Flugbahn zurück . Für mich stellten sich
folgende Fragen:
1. Wie kommt dieser Flugrichtungswechsel zustande ?
2. In welchen Fällen kommen Langzeitflieger in der Luft - im günstigsten
Fall im höchsten Punkt - zum "Stehen"?
3. Gelegentlich kommen LZF auch nach Flugzeiten von über 20 Sekunden
- immer noch Linkskurven beschreibend nach unten. Gibt es auch dafür eine
Begründung?
Zu 1. Prof de Groot erläutert den Richtungswechsel wie folgt: Wir
denken uns die Schwerkraft abgeschaltet; die Luft bleibt erhalten. Wenn wir
jetzt einen Stein nach schräg oben werfen, wird er auf einer Geraden davonfliegen,
wobei sich die Fluggeschwindigkeit aufgrund des Luftwiderstandes ständig
verringert. Ein Einschalten der Gravitation hätte eine parabole Flugkurve
zur Folge, da die Wirkung der Erdanziehung bei zunehmend verringerter Vorwärtsbewegung
scheinbar an Einfluß gewinnt (sie bleibt natürlich konstant) und
den Stein zum Absturz bringt. Was heißt das für Bumerangs?
Ohne Erdanziehung fliegt der Bumerang auf einer spiralförmigen Flugbahn
nach vorn oben; die Achse der Spirale entspricht der Geraden des Steinwurfes.
Auch jetzt wird die Gravitation zugeschaltet. Das Ergebnis läßt sich
am besten mit Hilfe eines kleinen Versuchs nachvollziehen. Dazu wird eine Spirale
benötigt, die sich schnell aus einem Stück Papier zurechtschneiden
läßt (s. Abb.1). Diese Spirale setzen wir mit einem Endpunkt so auf
unseren Schreibtisch auf, daß unser gedachter LZF in großen Linksbögen
in die Höhe zieht.
Die Flug- und Rotationsgeschwindigkeit des LZF wird durch den Luftwiderstand
bzw. die Gravitation allmählich reduziert, der Bumerang erreicht den Umkehrpunkt
seines Fluges. Wir müssen unsere nach oben ausgezogene Spirale um 180º
verbiegen (vgl. parabole Flugbahn des Steines als Achse des Bumerangfluges)
und stellen fest: Die Flugbahn unseres LZF müßte jetzt durch Rechtsbögen
gekennzeichnet sein ... ( Bitte in Theorie und Praxis erproben - z.B. einen
normalen Bumerang vom Eiffelturm oder Zugspitzplatt werfen, auf Gegenkurven
achten, den Bumerangverlust mit Forschergeist wegstecken und mit Nächststehenden
über den ganzen Vorgang hartnäckig diskutieren!).

Die Abb.2 macht (hoffentlich) deutlich, daß der Bumerang nach einer kurze
Flugphase in horizontaler Lage den Rechtsbogen beginnt. Dieser kommt dadurch
zustande, daß sich die Kräfteverhältnisse am fliegenden Bumerang
"verschoben" haben: Greifen die Kräfte, die den ersten Bogen
und das Flachlegen des Flugkörpers verursacht haben, oberhalb bzw. vor
dem Schwerpunkt des Bumerangs an, so setzen sie unmittelbar nach der horizontalen
Flugphase unterhalb bzw. vor dem Schwerpunkt an. Jetzt addieren sich die Translations-
und Rotationsgeschwindigkeiten auf der Ebene unterhalb des Bumerangschwerpunktes,
im oberen Bereich muß die Rotationsgeschwindigkeit, die hier gegen die
Flugrichtung gerichtet ist, von der Vorwärtsgeschwindigkeit subtrahiert
werden.
Zu 2: Zu diesem Punkt liegen seitens Prof de Groot keine Stellungnahmen
vor, da er mit unseren Sportgeräten (noch) nicht so vertraut ist und z.B.
noch keinen LZF in der Luft gesehen hat. Eigene These: Die Auftriebskräfte
an Arm 1 und 2 (verantwortlich für den Flachlegeeffekt ist bekanntlich
der größere Wirkungsgrad von Arm 1 in der laminaren Strömung)
sind durch Profilgebung und Biegen so eingestellt, daß sie - individuell
auf Wurftechnik und Wurfkraft abgestimmt - den Bumerang im günstigsten
Fall im höchsten Punkt seiner Flugbahn (vorhin als Umkehrpunkt bezeichnet)
in die horizontale Position geführt haben. Die Wurfenergie ist aufgebraucht
und gleichzeitig hat der LZF eine horizontale Lage eingenommen. So verlieren
zum Beispiel LZF, die sehr hoch geworfen werden konnten, wieder stark an Höhe,
wenn sie noch nicht horizontal liegen und durch die Rotation der Erdanziehung
entgegenwirken können.
An dieser Stelle möchte ich noch kurz eine Begründung dafür versuchen,
warum LZF so prächtig "auf der Stelle" schweben können,
obwohl sie doch eine z.T. erstaunliche Rotationsgeschwindigkeit aufweisen und
nach wie vor Auftriebs-/ Kreiselkräfte auf die recht stabile Flugbahn einwirken
müßten. Die Erklärung (ich hoffe, daß sie stimmt) ist
eigentlich sehr einfach.
Diejenigen Kräfte, die zum einen den Kreisbahn- und zum anderen den Flachlegeeffekt
des Bumerangs verursachen, sind ausgeschaltet: Die Überlagerung von wirkenden
Translations- und Rotationskräften führt zum Rückkehrflug. Da
aufgrund der vererbten Wurfenergie die ober- und unterhalb des Bumerangschwerpunktes
angreifenden Auftriebskräfte nicht mehr unterschiedlich sondern jetzt identisch
sind, bleibt der Kreisbahneffekt aus. Dasselbe gilt für den Flachlegeeffekt
(die Diskussion hatte ich ja in Bezug 'auf symmetrische Dreiflügler vor
gut zwei Jahren noch einmal in Bewegung gebracht):
Beim Dreiflügler wird automatisch immer der Flügel zu Arm 1, der in
der Translationsbewegung vorn oben fliegt. Ist keine Vorwärtsbewegung des
Bumerangs mehr zu verzeichnen, entfällt der Effekt: Alle Bumerangflügel
drehen in turbulenter Luft. Die unterschiedliche Konstruktion der Arme bei LZF
fällt dabei offensichtlich nicht ins Gewicht.
Zu 3: Hier bitte ich die Leser um eigene Beobachtungen. Meines Erachtens
können entsprechende Flugbahnen nur folgende Ursachen haben: Der LZF war
nur kurze Zeit in der Luft und die Wurfenergie war noch längst nicht verbraucht;
dann fliegt der Bumerang weiterhin Linksbögen.
Oder: Der Bumerang war bereits in einer recht stabilen Schwebephase und gerät
ins "Trudeln". Ursachen für eher überraschend eintretende
LZF-Abstürze kann ich nur in ungünstigen äußeren Bedingungen
sehen. Neben den für uns in der Höhe nicht wahrnehmbaren Luftbewegungen
kommen vielleicht auch "Luftlöcher" in Frage. Jeder, der schon
einmal geflogen ist, kennt das Gefühl, wenn ein Flugzeug plötzlich
bis zu hundert Metern oder mehr abfällt.
Diese luftbedingten Einflüsse können den recht stabilen Kreisel sowohl
in Links- als auch in Rechtsbögen zu Boden treiben (z.T. ellipsoide Schaukelbewegungen).
Fazit: Bisher hat sich die Bumerangphysik vor allem mit dem Rückkehrflug
und dem Flachlegeeffekt beschäftigt.
Die Schlußphase des Bumerangfluges stand nicht im Blickfeld, da eine S-förmige
Flugbahn in der Regel unerwünscht ist. In der bisherigen Literatur finden
sich entsprechende Hinweise auf fehlerhafte und verzogene Bumerangs. Die LZF
zeigen uns, daß mehr als eine Flugrichtung im Bumerang steckt, und wir
hier - zumindest im physikalischen Sinne nicht von einem Flugfehler sprechen
dürfen.
Ich hoffe, daß ich alle WerferInnen mit diesem Artikel zu verschärfter
optischer Wahrnehmung anrege, und daß ich kritische bzw. zustimmende Rückmeldungen
erhalte.
Ulli Wegner
33613 Bielefeld
Tel. 0521 / 123 134
Literatur:
Hess, F: "Boomerangs, Aerodynamics and motion.
Groningen 1975
Walker, J: Bumerangs. In: Spektrum der Wissenschaft,
Heft 6, Juni 1979
Weber, K: Der Bumerang - Ein Rotationsflugkörper.
Frankfurt 1977
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