

Editorial
Herb Smith
Natural Elbows
Im Knie verleimt
LD-Rekord 149m
B' und Schwirrholz
Blight-Design
Flugsimulator
Ellbogen
Nadja
Zick-Zack
Verschiedenes
B's sammeln
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Matthias Wiese
Im Knie verleimt: Bumerangs aus zwei Brettern
Meinen ersten Bumerang habe ich aus zwei Buchenbrettern von 6mm Stärke
gebaut, im Knie einfach überblattet.
Weil ich Linkshänder bin, hatte ich keine Möglichkeit, einen brauchbaren
Bumerang zu kaufen. Das war vor 7 Jahren. Zum Glück hatte meine Nachbarin
ein Buch, "Der Bumerang, ein Rotationsflugkörper" von Klaus Weber. Dort
fanden sich nicht nur ausreichende theoretische Erklärungen sondern auch
Hinweise, aus Massivholz Bumerangs zu bauen.
Mit Feinsäge, Raspel und Stechbeitel ging ich daran, die Ausnehmungen für
die Überblattung aus den Brettchen herauszuarbeiten, nachdem ich mir den
Winkel der Flügel überlegt hatte. Es war viel Arbeit, die Ausnehmungen
möglichst ohne Spiel und mit ebenen Flächen herzustellen, um eine
exakte, dichte und damit haltbare Leimstelle zu bekommen.
Es gelang ganz gut, die Verleimung war recht haltbar, hatte aber einen Nachteil:
Bei bis in den Bogen durchgezogenem Profil gab es unweigerlich eine Schwachstelle
auf der Oberseite, weil von dieser Hälfte der Verbindung zuviel weggenommen
wurde. Also legte ich die Überblattung schräg an. Das war noch mehr
Arbeit, führte aber zum Erfolg. Die nächsten Bumerangs waren wirklich
stabil. Kurze Zeit darauf gab es das erste Birkensperrholz für mich und
löste die aufwendige Tischlerarbeit ab.
Einige dieser Massivhölzer überstanden die Zeit, selten benutzt und
darum recht unbeschadet. Versuche, aus krummen Ästen Bumerangs zu bauen,
gab es auch einige, aber die entstandenen Flugobjekte wurden meist recht wuchtig,
bei Materialstärken um 10mm. Außerdem findet sich in fast jedem augenscheinlich
brauchbaren Ast eine aus dem Bogen nach außen verlaufende Faser, weil
dort andere, kleinere, Ästchen waren. Von dort gehen dann oft schon bei
geringer Belastung Risse aus. Das sind dennoch keine Gründe, nicht solche
Bumerangs zu bauen!
Aus Lust an schönem Holz und mit inzwischen mehr Wissen und Erfahrung um
Bumerangs schlechthin fing ich vor einiger Zeit wieder an, mit Massivhölzern
zu arbeiten. Ein Tischler schenkte mir ein Brettchen Kirschholz und ich begann
mit der Rekonstruktion eines verlorenen Bumerangs, der als noch vorhandene Sperrholzversion
nicht fliegen wollte.
Um leichte, gut fliegende und fangbare Bumerangs aus Massivholz zu bauen, hatte
ich mit folgendes überlegt:
- Das Profil muß gar nicht bis zum Knie durchlaufen, in der neutralen Zone ist es relativ unwichtig; dort brauchen nur die Kanten abgerundet zu werden. Es reicht also eine einfache gerade und gleichmäßige Überblattung.
- Die dabei entstehende senkrecht verlaufende Leimfuge, die ja immerhin halbe Materialstärke tief ist, hält praktisch nichts aus, sie entsteht ohne nennenswerten Pressdruck, ist aber zum großen Teil durch die Hebelwirkung der Flügellänge großen Belastungen ausgesetzt.
- Diese Leimfuge muß weggefräst oder -geschliffen werden und zwar mit einem Halbrundfräser, der Rolle eines Bandschleifers oder mit einer Rund- oder Halbrundraspel. Dann muß dort ein Holzstück eingepaßt und mit Druck verleimt werden. Die Maserung des Stückes soll quer zur vorherigen Fuge verlaufen, das bringt erst die richtige Sicherung der Schwachstelle. Es entsteht an dieser Stelle ein Sperrholzeffekt.
Das eingesetzte Stück sollte möglichst festes Holz sein, Buche z.B.
Einfache Bumerangs aus zwei geraden Brettern, wie der "Concept" von Rusty
Harding, habe ich mit dieser Verbindung variiert. Aber auch meinen Standard-"Löffel"
aus 4mm Kirsche, einen "New Wave" MTA aus Esche, Fridolins "Merlin", auch
aus Esche gibt es inzwischen. Aus Pflaumenholz ist mir ein 120g schwerer Hook
gelungen, den ich allerdings mangels Materialstärke aus 2 Schichten zusammenleimen
mußte. Diese Möglichkeit habe ich bei Volker Behrens gesehen. Auf
ihre Spezialitäten will ich ein anderes Mal eingehen. Jedenfalls ist es
nicht ganz einfach, beim Hook ein stabiles Knie (was ja eher ein offener Bogen
ist) herzustellen. Gut ist, wenn das Material einen passenden Faserverlauf hat,
wenn z.B. um einen Ast herum ausgeschnitten werden kann.
Es gibt zwei Möglichkeiten, das Holz auszusuchen, aus dem solche Bumerangs
gebaut werden sollen. Entwerder habe ich einen Bumerang, für den ich Holz
brauche, oder, und das ist häufiger der Fall, ich finde ein schönes
Stück Holz, das ich zum Fliegen bringen möchte. Gut geeignet sind
Obsthölzer, sie haben wegen ihres langsamen Wachstums eine sehr feine und
feste Struktur. Die Farbpalette ist beachtlich: Vom hellen Apfel und heller
Birne über verschiedene rötliche Kirschhölzer zur dunkelroten
bis violetten Pflaume. Esche ist wegen ihrer Elastizität sehr günstig,
sie läßt sich gut verbiegen. Nußbaum und Ulme sind eine farbliche
Ergänzung. Diese Hölzer sind in größeren Holzhandlungen
als Sägefurnier oder Messerrest (das ist der Rest den die Furniermaschine
mangels Dicke nicht weiter verarbeiten kann) erhältlich. Messerreste haben
oft den Vorteil stehender Jahresringe, sie verwerfen sich kaum.
Im Vergleich zu Tropenhölzern (die häufig recht giftig sind) lassen
sich die oben beschriebenen Hölzer und noch einige andere relativ ungefährlich
für Atemwege und Schleimhäute verarbeiten. Eine gute Staubmaske ist
bei Schleifarbeiten ohnehin erforderlich, um sich den feinen Staub aus dem Leib
zu halten.
Ein schöner Bumerang ist erst dann fertig, wenn seine Oberfläche mit
geeigneten Mitteln vor Schmutz und Feuchtigkeit geschützt ist. Die einfachste
Möglichkeit ist hier, wie bei allen anderen Bumerangs, die Sprühdose.
Für mich ist dies aber auch die schlechteste! Holz ist ein lebender Stoff,
dem man seine wesentlichen Eigenschaften nimmt wenn man die Oberfläche
einfach zukleistert. Wenn Holz nach dem Feinschliff noch mit feiner Stahlwolle
bearbeitet wird, wird es zum Handschmeichler; die Struktur und die Farbe, die
durch einen Ölgrund aus Leinölfirnis deutlich werden, finden dann
ihre fühlbare Entsprechung. Dieses umfassende Gesamtbild, man kann es übrigens
auch riechen, ist nicht haltbar hinter einer transparenten Kunststoffschicht,
es bleibt bestenfalls ein konservierter Abklatsch übrig.
Neben dem Einlassen von Walnußöl oder dem Einwachsen mit Bienenwachsbalsam,
beides nicht sehr dauerhaft und darum gelegentlich zu wiederholen, gibt es Naturharzlacke
die dem Holz mit all seinen vorzüglichen Eigenschaften Rechnung tragen
und es ausreichend schützen.
In einer nächsten Bumerangwelt will ich einiges mehr über die Oberflächenbehandlung
sagen.
Matthias Wiese
Oranienstr. 24
1000 Berlin 36
Anmerkung:
Das waren harte Worte gegen das Lackieren mit der Spraydose. Ich muß zugestehen,
daß Matthias' Stücke wirklich traumhaft schön sind.. Wenn ich
mir allerdings mühevoll auf Hochglanz polierte Tischler-Kunststücke
vergangener Jahrzehnte ansehe, so finde ich sie durchaus genauso reizvoll. Nur
haben wir es heute mit modernen Mitteln bedeutend einfacher, eine solche Hochglanz-Oberfläche
zu erzielen. Und die Farspiele eines schönen Holzes kommen so auf jeden
Fall am besten zur Geltung!
An dieser Stelle gute Besserung für Matthias, der leider beim gemeinsamen
Werfen in einem Hasenloch stecken geblieben ist und sich einen Riß der
Achilles-Sehne zugezogen hat. (gb)
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