

Editorial
Herb Smith
Natural Elbows
Im Knie verleimt
LD-Rekord 149m
B' und Schwirrholz
Blight-Design
Flugsimulator
Ellbogen
Nadja
Zick-Zack
Verschiedenes
B's sammeln
|
 |
 |
 |
 |
Natürliche Ellbogen: Bumerangs aus Naturhölzern
...von einem, der auszieht, um gekrümmte Äste zu finden.
Jeder von uns hat seine Anfangs-erfahrungen im Bumerangbauen gewiß mit
Sperrholz gesammelt. Die "Höhenlinien" stellen zweifellos eine praktische
Hilfe bei der Profilausführung dar. Michael Siems nutzt diese Tatsache
hervorragend in den Bauplänen seiner "Bumerang-Mappe". Ich selber habe
beim Bau von vielen Hundert Sperrholzbumerangs eine Erfahrung im Profilieren
gesammelt, die mir heute zugute kommt. Zunächst zaghaft, doch nun immer
heftiger hat mich das Naturholzfieber gepackt. Das äußert sich in
Symptomen, welche meine Familie inzwischen beunruhigt: Bei Spaziergängen
und -fahrten halte ich nicht mehr nur Ausschau nach freien Wiesen zum Werfen.
Der Blick haftet vielmehr an jeglichem krumm gewachsenen Ast eines Baumes oder
Busches. Platanen oder Obstbäume verlocken zum Frefel. Doch glücklicherweise
hält das Land Schleswig-Holstein (wie übrigens auch Mecklenburg...)
in idealer Weise einen Vorrat an Knickholz bereit. Für alle Freunde südlich
von Hannover sei erklärt, daß es sich bei Knicks um mit starkem Buschwerk
bepflanzte Wallhecken handelt, die auf den Feldern den Wind brechen sollen.
Im Winter ist dann die Zeit des "Knickens", also des Absägens zu hoch
gewachsener Büsche. Hier finden sich, besonders bei Weißdorn, Weißbuche,
Traubeneiche und Hasel, die herrlichsten Winkelwüchse.
Ab ca. 5 cm Durchmesser ist alles ernst zunehmen. Mitunter enttäuscht der
zweite Blick nach einem verheißungsvollen ersten arg: Die wunderbare Biegung
verspringt aus der Biegeebene noch einmal. So geht denn manch vermeintliche
Traumform doch den Weg zum Brennholz. Problematisch sind Winkelabbiegungen mit
einer starken Astabzweigung just am Ellenbogen außen. Kleine Äste
ragen nicht so weit in die Maserung der späteren Rohlinge hinein, als daß
sie dort zur Sollbruchstelle ausarten. Mein forschender Blick ist grundsätzlich
auf potentielle Rückkehrerformen programmiert. Natürlich verschmähe
ich auch keinen möglichen Kylie...
Die Behandlung der Beute geht nun nach schmerzlicher Negativerfahrung so vonstatten:
Die glatten(!) Sägeschnitte beflamme ich mit Kerzenwachs zu. Der Vorteil
dieser Behandlung besteht in der wünschenswerten Tatsache, daß die
Aststücke dann nicht mehr durch zu rasches Austrocknen an den Enden tief
und unwiderruflich einreißen.
Was nun folgt, ist für ungeduldige Leute eine harte Marter. Die Äste
müssen, sollen sie nicht als Rohlinge fürchterlich verziehen, pro
Zoll im Durchmesser 1 (ein) Jahr gemütlich trocknen. (Ich erbitte praktikable
Vorschläge zur Verkürzung der Wartezeit bei gleichem Resultat).
Bei mir Lagern die Hölzer auf einem zugigen Schuppenboden nach Erntejahrgängen
sortiert. Gelegentlich schaue ich beim Umräumen und Wenden nach Ungeziefer.
Doch durch die Behandlung mit der Flamme oder durch Zufall habe ich damit bisher
keine Schwierigkeiten.
Der Tischler, der mir die 6-9 mm starken Rohlinge sägt, schätzt keine
Äste mit Rinde, wohl weil sich dort Sandkörner verbergen können,
und die sind Gift für seine Präzisionssäge. Folglich muß
der Schraubstock und die solide Klinge herhalten. Lästig zwar- aber schon
eine gewisse Vorfreude auf die zu erwartende Maserung und Holzfärbung.
Die Rohlinge ruhen dann noch eine Weile zum "Abdampfen". Wegen der großzügigen
Stärke der krummen Brettchen können die gelegentlich auftretenden
leichten Verbiegungen beim Nachtrocknen noch weggehobelt werden.
Für das grobe Formen des Profils verwende ich gerne einen kleinen Einhandwinkelschleifer
mit 36er Körnung auf der 115 mm-Scheibe. Bei dem hochtourig drehenden Ding
trage ich lederne Arbeitshandschuhe, Gehörschutz, Atemschutz und Brille.
Gern arbeite ich draußen (Staub).
Ich glaube nach wie vor, daß ohne eine entsprechende Vorerfahrung mit
Sperrholz befriedigende Vollholzbumerangs kaum herzustellen sind. Eine Augenmaßerfahrung
ist notwendig sowie eine gewachsene Erfahrung bezüglich der Harmonie zwischen
Flügellänge,-breite und -stärke. Es kann ja keine "Baupläne"
geben für zufällig krumm gewachsenes Holz. So muß man sich in
der Tat mit den individuellen Maserungsverhältnissen in jedem einzelnen
Brettchen auseinandersetzen. Nach dem Feinschliff und dem Einfliegen (und dem
dann meist notwendigen Reinigungsschliff) wachse ich die so entstandenen Kleinodien
mit allerlei Tinkturen aus dem Ökofarbladen ein. Manche Hölzer lassen
sich auch dezent beizen. Sie sehen schmuck aus. Kaum mag man sich nun davon
trennen...
Doch manchmal muß ich das. Zum Beispiel als Dankeschön für einen
verständnisvollen Förster plus Sperrholzstandards zum Spielen für
seine Kinder. Oder ein Exemplar für den Obstplantagenbesitzer, der vor
dem Auslichten seiner Bestände Nachricht hinterließ. Die einzig sinnvolle
Zeit für die "Ernte" ist der Winter wenn die Bäume und Sträucher
nicht "im Saft" stehen. Inzwischen sind meine Bestände so aufgestockt,
daß sich auch durch gelegentlichen Verkauf ("nur in gute Hände")
die Reihen nicht zu nachhaltig lichten. Wer schon einmal selbst Erfahrung mit
der hier erzählten Art des Bumerangbauens gesammelt hat, wird gewiß
in den doppeldeutigen Schlachtruf mit einstimmen: "Save trees for boomerangs!"
Der Verfasser würde gerne von Erfahrungen der Leser hören, die sich
mit dem Entrinden, Trocknen und Aufsägen der natürlichen Ellenbogen
befaßt haben. Vorstellbar wäre auch eine "Tauschbörse" mit
Rohlingen, von Wettkämpfen ganz zu schweigen.
em
|
 |
 |
 |
 |
|
|