

Editorial
Herb Smith
Natural Elbows
Im Knie verleimt
LD-Rekord 149m
B' und Schwirrholz
Blight-Design
Flugsimulator
Ellbogen
Nadja
Zick-Zack
Verschiedenes
B's sammeln
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Zu Gast bei Herb Smith
Als ich zum ersten Mal Herb's Handschrift sah, konnte ich mir überhaupt
nicht vorstellen, wer sich hinter solcher Kalligraphie verbirgt. Bei meinem
ersten Besuch an der südenglischen Küste sollte sich das Geheimnis
lüften.
Herb, Jahrgang 1929, ein offensichtlich durchtrainierter, athletisch-untersetzter
Mann, begrüßte mich vor seinem Einfamilienhaus. Wir hatten uns telefonisch
verabredet. Da Herb gerne scharfe Speisen kocht und ißt, war er sehr beruhigt,
daß auch ich nichts dagegen habe, nach zwei Jahren Orient.
Nur wenige ausgewählte Bumerangs zieren die Wände des typisch britischen
Hauses. (Nach einer Reihe von schlechten Erfahrungen tauscht Herb nicht mehr
unbesehen seine Bumerangs mit anderen.) Ein kleines Zimmer im ersten Stock ist
als Werkstatt eingerichtet, ein zweiter kleiner Raum dient als Lackierbereich.
Herb hatte eine kurze Jugend und verbrachte eine ganze Zeit bei der Armee. In
Münster (Westfalen) saß er auf gepacktem Seesack während der
Suezkrise in den 50er Jahren, ohne jedoch zum Einsatz zu kommen. In Singapur
lernte er seine Frau Anim kennen, mit der er gerne malayisch spricht. Nach der
Armeezeit war er im Jugendstrafvollzug tätig. Dort kam ihm sein handwerkliches
und sportliches Geschick zugute. Als Ausgleich für die aufreibende pädagogische
Tätigkeit widmete er sich dem Bogenschießen. Er tat dies 20 Jahre
so intensiv, daß er "master bowman" wurde.
1969 begann die Beschäftigung mit den Bumerangs. Dies geschah nun wieder
sehr intensiv wie vieles, was Herb anfaßte. Er hatte von großen
Weiten gehört, die in Australien mit Rückkehrern erzielt worden waren.
Nun meinte er beim Ausprobieren seiner großen und schweren Konstruktionen
(200 Gramm!) so etwas auch schaffen zu können.
Nach ersten Erfolgen mit Brachialgewalt (Herb hat auch heute noch einen harten,
peitschenden aber dennoch harmonischen Wurf) und schweren Brocken, kam er auf
den Werkstoff der bei uns Pertinax heißt. Außerdem reduzierte er
das Profil auf das Nötigste, was zur Rückkehr geboten scheint. Bei
diesen Experimenten entstanden so harmonische und zeitlose Formen wie >Marathon<
und >Sussex Hook<.
Herb hat sich durch ein kleines Buch [1] (leider vergriffen) und auch sonst,
um die Verbreitung der Kenntnisse von vielem, was mit Bumerangs zu tun hat,
verdient gemacht. Geheimniskrämerei im konstruktiven Bereich findet er
albern, zumal ja genug an Lehrgeld übrig bleibt, was von jedem zu zahlen
ist.
In der kleinen Stubenwerkstatt kann man das Entstehen der maßstabsetzenden
Bumerangs von Herb Smith nachvollziehen: Mit Hilfe fester Schablonen wird die
Form auf die Platte gezeichnet. Ausgesägt wird mit der Bandsäge, die
sich nicht so erhitzt wie die Stichsäge. Und dann, man glaubt es kaum,
das Raspeln, Feilen und Schmirgeln - alles reine Handarbeit. Das Lackfinish
ist abenteuerlich und nicht zur Nachahmung empfohlen: Im geschlossenen Raum
mit Spraydosen ohne Maske; man mag es kaum schreiben.
Die so entstandenen Edelteile werden dann signiert mit der bekannten kalligraphischen
Schrift und durch unterschiedlichste Linienmuster zwischen den Farbübergängen
verziert. In einer Tüte auf mattweißem Untergrund und glasklarer
Zellophanabdeckung nehmen sie sich exquisit präsentiert aus wie teure Herrenoberhemden.
... und dann geht es auf die Wurfwiese. Ach was sage ich. Es geht auf wohl über
zwei Hektar grüne kurzgeschorene englische Auslegware, eine Meile hinter
Herb's Haus. Am Rande übt jemand weite Golfschläge. Wir probieren
weitfliegende Bumerangs. Wir stören einander nicht. Wir befinden uns in
Sussex.
Herb Smith ist eine Persönlichkeit in der Welt des Bumerangs, die in sympathisch
zurückhaltender Art die Technik, das Niveau und die Verbreitung des Themas
Bumerang mehr positiv beeinflußt hat, als man dies hierzulande gemeinhin
annehmen würde. Auch deshalb bin ich dankbar, Herb persönlich zwei
Mal begegnet zu sein.
em
[1]:Herb Smith: "Boomerangs, making and throwing them", leider vergriffen.
Leserdienst für unsere Abonnenten: Gegen Rückporto (-.60) leihe ich
das Buch an jene Leser aus, die es anfordern und innerhalb einer Woche zurücksenden.
wb
Eine Aufforderung an Bumerang-"Historiker"
Wer schreibt für unsere Leser einen Lebensüberblick über berühmte
Bumerang-Werfer ? Sucht euch einen aus und bemüht euch, möglichst
viel über ihn herauszubekommen. Veröffentlichte Beiträge werden
honoriert.
wb
Ist nun das MTA - Rätsel gelöst?
(Aus: "Die Zeit", 9.2.90, Seite 90)
Auf ungläubiges Staunen trifft bei Physikern ein Bericht japanischer Wissenschaftler
in den renommierten Physical Review Letters, wonach das Gewicht von Kreiseln
proportional zu ihrer Drehzahl leicht abnimmt . Das Mysteriöse dabei ist,
daß die Gewichtsabnahme nur auftritt, wenn die Kreisel im Uhrzeigersinn
rotieren. Trotz sorgfältiger Überprüfung vieler Variablen, etwa
Material der Kreisel, Magneteinflüsse etc., gibt es bisher keine plausible
Erklärung für das beobachtete Phänomen . Da das Experiment recht
einfach ist, dürfen bald mehrere unabhängige Überprüfungen
vorliegen.
Anmerkung: Ted Bailey ist Linkshänder!
wb
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